Projekte Unternehmenszentrale in Baden-Württemberg
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Unternehmenszentrale in Baden-Württemberg

Landschaft lohnt sich -
Terrassen für 1.500 Arbeitsplätze

Typologie Büro Bauvolumen BGF 134.800m²  Mehrfachbeauftragung als kooperatives Verfahren Frühjahr 2016  Fertigstellung 2021  

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#Neubau für Unternehmenszentrale in Baden-Württemberg mit 1.500 Arbeitsplätzen

Die Symbiose von Landschaft und Gebäude gliedert das Bauvolumen verträglich und wird zum identitätsstiftenden Alleinstellungsmerkmal des neuen Verwaltungsgebäudes.

Foto HG Esch

Der neue nationale Unternehmenshauptsitz liegt am Rande einer baden-württembergischen Kurstadt in dörflich anmutender Umgebung. Auf einem bewegten Areal zwischen Obstwiesen und kleinteiliger Bebauung galt es, Raum für rund 1.500 Arbeitsplätze und vielfältige zugehörige Funktionen zu schaffen. Der Entwurf, 2016 aus einer Mehrfachbeauftragung als kooperativem Verfahren hervorgegangen, entwickelt dafür statt einer monolithischen Großform ein differenziertes, die landschaftlichen Gegebenheiten fortschreibendes Ensemble. Das umfangreiche Volumen wird in einen terrassenförmigen Komplex aus fünf Häusern gegliedert, die mit bepflanzten Dachflächen, Zwischenräumen und Innenhöfen die grüne Umgebung durchfließen lassen und durch eine darunterliegende Boulevard-Ebene großzügig miteinander verbunden sind. Mittels kontinuierlich zurück gestaffelter Obergeschosse reagieren die Häuser in ihrer Höhenentwicklung auf die Nachbarschaft. Unter Nutzung der Topografie mit einem Höhenunterschied von 11 Metern sind sie teilweise in das Grundstück eingegraben, sodass sie sich weiter zurücknehmen. Die Symbiose von Landschaft und Gebäude strukturiert das Bauvolumen verträglich und wird zum identitätsstiftenden Alleinstellungsmerkmal des Ensembles.

 

 

Foto HGEsch

Entstanden ist eine Arbeitswelt im Grünen, bei der Vorteile wie viel Licht, gesunde Luft, weite Ausblicke und der Bezug zwischen Innen- und zahlreichen Freiräumen auch im Alltag bestimmend ist. Alle Arbeitsplätze erlauben Blicke in die Umgebung, während sämtliche Bereiche von natürlicher Belichtung profitieren. Terrassen und Höfe erweitern den Raum für informellen Austausch und zum Arbeiten nach außen.

„Grün-Dächer, Innenhöfe und begrünte Zwischenräume lassen die umgebende Landschaft durch den Neubau fließen und prägen die künftige Arbeitswelt der neuen Unternehmenszentrale. Der die Häuser verbindende Boulevard verknüpft die einzelnen Gebäude und bildet mit seinen Gemeinschaftsbereichen, Restaurants, Konferenz- und Schulungsräumen das kommunikative Herz aller Abteilungen.“
Gerhard Wittfeld

FÜNF HÄUSER

Varianten im Wettbewerb
Arbeitsmodell
Lageplan
Foto HG Esch

Das große Volumen wird in einen terrassenförmigen Komplex aus fünf, im Grundriss Y-, U- und ringförmig ausgebildeten, Häusern gegliedert, die mit bepflanzten Dachflächen, Zwischenräumen und Innenhöfen die grüne Umgebung durchfließen lassen mit einer zentralen Aufweitung als kommunikativer Mitte. Die Erschließung erfolgt je nach funktionalen Anforderungen von den das Areal umgebenden Straßen. Die Integration unterschiedlichster Funktionen schafft ein reiches räumliches Gefüge, das gleich einer eigenen kleinen „Stadt auf dem Lande“ modernste Ansprüche an heutiges Zusammenarbeiten erfüllt.

LANDSCHAFTSTERRASSEN

Foto HG Esch

Innerhalb des landschaftlich orientierten Konzepts kommt den Freibereichen und ihrer Gestaltung besondere Bedeutung zu. Die Grünflächen führen die Natur in das Ensemble der Baukörper hinein, spielen eine entscheidende Rolle für das Mikroklima und die natürliche Kühlung des Gebäudes, dienen als Retentionsflächen und übernehmen zugleich wichtige Funktionen im Arbeitsalltag. So dient die kommunikative Mitte des Quartiers als „Meeting Point“ und als identitätsstiftendes Element.

Foto HG Esch
Foto HG Esch

Organische Formen, Pflanzflächen und Sitzmöglichkeiten schaffen eine angenehme und kommunikative Aufenthaltsatmosphäre für den Austausch unter Kolleg*innen oder zum Arbeiten im Freien.

Foto HG Esch
Foto HG Esch
Foto HG Esch

Die Büroräume verteilen sich den Fachbereichen entsprechend auf die einzelnen Baukörper. Heutigen Anforderungen an moderne Arbeitswelten folgend, wurden sie als flexibel bespielbare Flächen geplant, die Konzentration und Produktivität ebenso fördern, wie sie informelle Begegnung und Austausch als wichtige Elemente des Arbeitsalltags anregen. So lassen die Ebenen mit unterschiedlichen Raumtiefen ein breites Angebot an gängigen Bürotypologien von Einzel- über Gruppen- und Kombibüros bis zum Großraum zu, die sich mit individuell gestalteten Kommunikationszonen und Begegnungsorten abwechseln. Es entstehen übereinander gestapelte Büro-„Plattformen“ mit jeweils vorgelagerten Grünbereichen, die das prägende Thema des Entwurfs fortsetzen.

VERBINDENDER BOULEVARD

Grundriss Erdgeschoss
Foto HG Esch
Foto Brigida González

Die alles verbindende Boulevardebene zieht sich über das gesamte Areal; den Höhenunterschied des Geländes nutzend und immer wieder von Höfen durchbrochen, wandelt sich das nominell erste Untergeschoss zu einem lichten, abwechslungsreichen Raum.

Grundriss Boulevard | UG1

Neben der aufgelockerten Struktur des Ensembles ist die gemeinsame Boulevard-Ebene unterhalb der fünf Baukörper prägendes Element des Entwurfs. Als Verteiler- und Gemeinschaftsebene verbindet sie auf selbstverständliche Weise die Fachbereiche in den einzelnen Häusern mit den gemeinsam genutzten Räumen wie Foyer, Konferenz- und Schulungsbereich mit Multimediaraum, Unternehmensrestaurant, Fitness sowie der Logistik. Über die Erschließung all dieser Zonen hinaus ist diese Ebene ihrerseits zugleich Ort der Zusammenkunft; hier finden Austausch, Begegnung und Anregung statt, die das Arbeiten in den Bürobereichen ergänzen und bereichern.

Foto HG Esch

Durchquert man das Foyer am ebenerdigen Haupteingang, taucht man über eine hölzerne Freitreppe vom Erdgeschoss hinab auf die Boulevard-Ebene, die auch direkt aus dem obersten Tiefgaragengeschoss erreichbar ist. Den Höhenunterschied des Geländes nutzend, wandelt sich das nominell erste Untergeschoss zu einem lichten, abwechslungsreichen Raum, der zur atmosphärischen Mitte des Neubaus avanciert. Fingerförmig ausgreifend, öffnet sich die Boulevard-Ebene über mehrere ebenerdige Verbindungen nach draußen auf die begrünten Landschaftsplateaus. Unterschiedliche Aufenthaltsbereiche dienen als Treffpunkt für informelle Meetings, während bepflanzte Höfe weiteres Tageslicht hereinlassen.

Foto HG Esch
Foto HG Esch
Foto HG Esch
Foto HG Esch

Zu den Besonderheiten der neuen Unternehmenszentrale zählt ein modern ausgestatteter Fitnessbereich für die Mitarbeiter*innen. Ähnlich dem Foyer ist er über eine großzügige, in Holz gehaltene Sitztreppe an den Boulevard angeschlossen, von dem er sich durch eine eigene Gestaltung abgrenzt. Während sich auch dieser Bereich nach außen öffnet, bilden großzügig angelegte Grünanlagen eine natürliche, grüne Pufferzone zu den Nachbargebäuden.

Foto HG Esch
Foto HG Esch

Der Außenbereich des Restaurants leitet zu einer Böschung mit Sitzstufen über. Mit Platz für bis zu 500 Zuschauer*innen entsteht damit ein Veranstaltungsort unter freiem Himmel. Hinzu treten begrünte Dachflächen, mit Sträuchern und Stauden bepflanzte Innenhöfe und im Osten weitere Landschaftsterrassen, die vom Zentrum des Areals rund drei Geschosse hinableiten. Mit heimischen Gehölzen und Stauden fungieren sie als grüne Pufferzone zur benachbarten Siedlung und bieten sich den Mitarbeiter*innen zum Entspannen und Verweilen an.

Foto HG Esch

Das Unternehmensrestaurant mit einer auf 1.500 Mittagessen ausgelegten Großküche öffnet sich mit seinem großzügigen Speiseraum nach außen Richtung Süden. Rund um einen „Marktplatz“ mit Countern für unterschiedliche Essensangebote bietet der Gastraum sechs verschiedene Raumatmosphären. Vom ruhigeren Rückzug über offenere Zusammenhänge bis zu lebendig-urbaneren Raumsituationen reichend, decken sie individuelle Pausenbedürfnisse der Mitarbeiter*innen ebenso ab wie funktionale Anforderungen etwa bei Arbeitsessen. Der auf ca. 436 Plätze ausgelegte Innenraum mit Panoramablick über die Obstwiese geht nahtlos in den grünen Außenbereich mit 162 Plätzen über. Im Boulevard ergänzen ein Café, eine Eventküche und eine Smoothie-Bar mit weiteren Plätzen innen und im Freien das Angebot. Eine Cateringküche sowie eine Bewirtungsküche neben dem Empfang decken den Bedarf des Konferenz- und Multimediabereichs bei dortigen Veranstaltungen.

Foto HG Esch
Foto HG Esch
Foto HG Esch
Foto HG Esch
Foto HG Esch

Der Umstand, dass Architektur und Interior Design aus einer Hand stammen, erlaubte in der Raumgestaltung eine präzise auf die Architektur abgestimmte Balance zwischen Kontinuität und Abwechslung. So werden auf der Boulevard-Ebene atmosphärische Zonen geschaffen, bei denen wie bei der großzügigen, vom Foyer zum Boulevard überleitenden Treppe zugleich besonderes Augenmerk auf die Übergänge gelegt wurde. Generell überwiegen in allen Bereichen natürliche Farben und Oberflächen mit einigen Farbakzenten, über die unterschiedliche Themen ausgebildet werden. Innerhalb der Grundpalette bestimmt die Farbwahl dynamischere oder ruhigere Zonen. Ergänzt wird das ganzheitliche Innenraumkonzept durch ein vom Stuttgarter Büro uebele entwickeltes Leit- und Orientierungssystem.
Eine atmungsaktive Lehmwand im Boulevard wirkt feuchtigkeitsregulierend auf das Raumklima und bietet mit eingelassenen Sitznischen Gelegenheit zum Rückzug oder spontanen Gespräch zwischen Mitarbeiter*innen.

FASSADE AUS KERAMIK

Foto HG Esch

Die Fassadenausbildung führt den Entwurfsgedanken geschichteter Landschaftsplatten fort. So wird die Horizontalität der terrassierten Architektur durch waagerecht verlaufende Bandstrukturen unterstrichen. Großzügige Verglasungen mit filigranen Glasbrüstungen holen das Tageslicht weit in die Räume herein. Sie wechseln sich mit ockerfarbenen, profilierten Keramikbändern ab, die die fließende Linienführung der Geschossebenen betonen. Dreifache Wärmeschutzisolierung verbindet sich, in Ergänzung zu einer mechanischen Frischluftversorgung, mit nach individuellen Bedürfnissen öffenbaren Fenstern in den Bürobereichen und einem außenliegenden Sonnenschutz.
Die Planung berücksichtigte zudem von Beginn an die Lebensdauer des Gebäudes, wozu unter anderem die Verwendung recyclingfähiger Materialien zählt. So sind die Terracotta-Platten der Fassade ausschließlich mechanisch und klebefrei montiert, sodass sie einschließlich ihrer Unterkonstruktion sortenrein trennbar bleiben.

Unteres Keramikprofil mit zusätzlicher Welle
Zeichnung David Baros

1 Keramikband
2 Gitterrostabdeckung
3 Glatte Untersicht
4 Integrierter Sonnenschutz
5 Sicherungssystem
6 Festverglasung
7 Fensterflügel
8 Integrierte Prallscheibe

Foto HG Esch

WORK IN PROGRESS