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Rathaus Stolberg

Resilienter, bürgernaher Neubeginn

Typologie Verwaltung Bauvolumen BGF 12.000 m² Bauherr:in Kupferstadt Stolberg Architektur kadawittfeldarchitektur Wettbewerb 2025 2. Preis, Zuschlag nach VgV Zertifizierung DGNB Platin angestrebt Landschaftsarchitekten Greenbox Landschaftsarchitekten

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#Neubau eines Rathauses für die Kupferstadt Stolberg

Der Neubau bündelt die Stadtverwaltung nach der Hochwasserkatastrophe wieder an einem Ort und bietet den Bürger:innen eine einladende Anlaufstelle im Zentrum der Stadt. Das Gebäue ist hochwasserresilient und nach dem Cradle-to-Cradle Prinzip geplant.

Wie das Ahr-Tal, so war auch die Stolberger Innenstadt von der Flutkatastrophe im Jahr 2021 betroffen – weite Bereiche standen unter Wasser. Massiv beschädigt wurde dabei auch das in den 1970er-Jahren erbaute Technische Rathaus, das anschließend nicht wieder in Betrieb genommen werden konnte. An seiner Stelle entsteht der hochwasserresiliente Neubau.

Der Baukörper fügt sich maßstäblich ins Stadtgefüge ein: Zum historischen Rathaus hält er respektvollen Abstand und überragt dies nicht. Zum Kaiserplatz bleibt das denkmalgeschützte Bestandsgebäude freigestellt. ‚In zweiter Reihe‘ ist der Neubau dennoch präsent und sein großzügiger Vorplatz öffnet sich einladend bis an die Platzkante.

Das Nachhaltigkeitskonzept umfasst eine CO2-reduzierte, Cradle-to-Cradle inspirierte Bauweise und ein hohes Maß an Begrünung. Über großflächige Verglasungen und vier Innenhöfe sind Ausblicke ins Grüne im Gebäude allgegenwärtig und die Dachlandschaft bietet den Mitarbeitenden eine zusätzliche Aufenthaltsfläche im Freien.

Das neue Rathaus lässt dem historischen Bestandsgebäude ‚den Vortritt‘. Es hält angemessenen Abstand und ordnet sich mit seinem Erscheinungsbild und seiner Höhe diesem unter, ohne Präsenz im Stadtraum einzubüßen.

Der Bürgerservice ist auf vielfältige Weise zu erreichen: zentral vom Kaiserplatz aus, aber auch direkt von der ÖPNV-Haltestelle im Südwesten.

Mit dem Neubau wird die Begrünung des Grundstücks maßgeblich erhöht: der Außenraum entsiegelt, vielfältige Aufenthaltsqualitäten geschaffen, das Mikroklima und die Retentionsfähigkeit verbessert.

Mit Windsimulationen wurden die Auswirkungen unterschiedlicher Neubaukubaturen auf die Aufenthaltsqualität des Kaiserplatzes simuliert: Im Gegensatz zu höheren Varianten, beeinträchtigt der dreigeschossige Neubau den Komfort auf dem Platz nicht.

„Der Entwurf für das Neue Rathaus der Kupferstadt Stolberg ist sowohl in seiner städtebaulichen, maßstäblichen Einfügung, der dreigeschossigen Gebäudehöhe und der treibhausgasreduzierten Bauweise eine gelungene Antwort für einen zukunftsfähigen Baustein an einer repräsentativen Stelle der Innenstadt.“

Die Wettbewerbsjury

Das Erdgeschoss ist in drei Zugänglichkeits- und Sicherheitszonen gegliedert: vom Foyer mit angeschlossenem Bürgerservice über den Meetingbereich bis zur Mitarbeiterkantine und einem Work-Balance-Raum.

Im Erdgeschoss befinden sich alle auch für Externe zugängliche Nutzungen. Es ist in drei Zonen mit unterschiedlichen Zugangs- und Sicherheitsstufen gegliedert: das Foyer mit angeschlossenem Bürgerservice, das zentrale Meeting-Zentrum sowie die Mitarbeiterkantine und ein Work-Balance-Bereich im Westen. Alle drei Bereiche können separat erschlossen und genutzt werden.

Ein großzügiger Vorplatz führt vom Kaiserplatz zum Haupteingang. Im Foyer erwartet die Bürger:innen ein geräumiger Wartebereich mit Info-Point, direkt angebunden ist der Bürgerservice. Ein zweiter Zugang im Südwesten führt direkt zur ÖPNV-Haltestelle.

Auch die Mitarbeitenden betreten das Gebäude über das Foyer und gelangen von dort in den nicht öffentlichen Meetingbereich mit Besprechungs- und Veranstaltungsräume sowie den Räume der Fraktionen. Bürgerberatungen sind nach vorhergehender Terminvereinbarung und gesondertem Einlass für besondere Anliegen ebenfalls möglich. Begrünte Innenhöfe strukturieren den Innenraum und prägen zusammen mit den großzügig verglasten Fassaden eine offene, helle, naturnahe Atmosphäre. Eine zentrale, offene Treppe führt zu den Arbeitsplätzen in den Obergeschossen.

Die Mitarbeiterkantine und ihre Außenterrasse bieten den Blick auf den Kaiserplatz. Sie ist auf vielfältige Weise von den Obergeschossen aus erreichbar, aber auch auf kurzem Weg vom Historischen Rathaus aus.

„Der Entwurfsverfasserin gelingt es, ein offenes, leicht zugängliches und bürgerfreundliches Raumkonzept zu entwickeln.“

Die Wettbewerbsjury

Die Innenhöfe erzeugen eine helle, naturnahe Atmosphäre im Gebäude und strukturieren die Arbeitswelten.

In den beiden Obergeschossen entstehen innovative Arbeitswelten nach dem „Activity Based Working-Prinzip“.

Meeting-Point mit zweigeschossigem Luftraum und Galerie sorgt auch geschossübergreifend für eine enge Kommunikation.

In den Obergeschossen entstehen vielfältige, flexible Arbeitswelten nach dem „Activity Based Working-Prinzip“ mit großzügigen Kommunikations- und Begegnungsflächen sowie differenzierten Zonen für konzentriertes Arbeiten. Unterschiedliche Arbeitsplatztypen berücksichtigen verschiedene Bedürfnisse der Mitarbeitenden.
Zentral angeordnete Kommunikationsflächen werden jeweils von zwei ‚Nachbarschaften‘ gemeinsam genutzt. Zweigeschossige Lufträume vernetzen einige Meeting-Points über die Geschosse hinweg und fördern den Austausch zwischen allen Mitarbeitenden.

Auch in den Obergeschossen prägen die Innenhöfe die Arbeitsumgebung – Tageslicht und Ausblicke ins Grüne sind allgegenwärtig. Ihre versetzte Anordnung erzeugt eine mäandernde Struktur, durch die die Meeting-Zonen ‚fließend‘ in die Arbeitswelten integriert und zugleich räumlich gefasst werden. Ergänzende Flächen zum Arbeiten werden in den Innenhöfen und auf der Dachterrasse angeboten.

Eine klare Struktur prägt das Rathaus im Inneren.

©kadawittfeldarchitektur

Begrünte Dachlandschaft ist ebenso Aufenthalts-, Regenerations- und Arbeitsort, wie Teil des Nachhaltigkeitskonzepts.

Das begrünte, begehbare Dach lädt die Mitarbeitenden zum Durchatmen und Verweilen ein. Hier kann die Mittagspause mit Blick auf die Burg genossen, ebenso wie gearbeitet werden. Die Dachfläche dient zudem als Retentionsfläche und stärkt mit ihrer Begrünung die Biodiversität.

Die transparente Fassade mit strukturierenden Keramiklisenen ist kreislauffähig. Gestaltungselemente wie Farbigkeit, horizontale Bänderung und umlaufende weiße Gesimse nehmen Bezug auf das Historische Rathaus.

©loomilux

Südfassade mit Zugang von der ÖPNV-Haltestelle.

Nachhaltigkeitskonzept

Der Neubau des Rathauses folgt konsequent dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. Das Tragwerk der Bürobereiche ist als Holz-Hybrid-Skelett konzipiert. Tragende Bauteile werden sortenrein und ohne Klebstoffe oder Verbundmaterialien gefügt, sodass ein vollständiger Rückbau und eine Wiederverwendung möglich sind. Ein Gebäuderessourcenpass dokumentiert alle relevanten Informationen für spätere Sanierungen oder den kreislaufgerechten Rückbau.

Die Planung orientiert sich an einer hohen Ressourcen- und Materialeffizienz: reduzierte Spannweiten, minimierte Deckenstärken sowie eine gezielte Baustoffwahl nach Leistungsfähigkeit, Ressourceneinsatz und Wirtschaftlichkeit. Brettschichtholz schafft eine angenehme Arbeitsatmosphäre und verkürzt die Bauzeit. Alle Materialien werden anhand der „C2C-banned list of chemicals“ auf Schadstofffreiheit geprüft.

Stahlbeton kommt nur dort zum Einsatz, wo es statisch erforderlich ist, sowie im Erd- und Untergeschoss zur Sicherstellung der Hochwasserresilienz. Geplant ist der Einsatz von CO2-reduzierten Betonen. Auf Verbundbauteilen wie Holz-Beton-Verbunddecken wird bewusst verzichtet, um eine sortenreine Trennung zu gewährleisten. Die Vorhangfassade ist kreislauffähig, witterungsbeständig und wartungsarm.

Der Energiebedarf wird durch regenerative Quellen gedeckt: Eine reversible Wärmepumpentechnologie und ein Eisspeicher versorgen das Gebäude mit klimafreundlicher Wärme und Kälte, und Photovoltaikanlagen auf dem Dach erzeugen Strom. Ein hybrides Lüftungskonzept kombiniert natürliche Lüftung mit RLT-Anlagen mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung, die Wärmeverluste im Winter reduzieren und im Sommer vor Überhitzung schützen.

Das hohe Maß an Begrünung schafft eine besondere Aufenthaltsqualität. Die Grünflächenzahl (GrünFZ) liegt bei 52 %. In die Bewertung fließen auch Aspekte wie Bodenfunktionalität, Klimaanpassung und Biodiversität ein. Zum Vergleich: Die Stadt Salzburg definiert einen Zielwert von 25 %.