Appell an die Zukunft

Vieles, was uns im Alltag umgibt, ist ein Stück Bauhaus. Wir spüren darin dessen Anspruch, mit Bestehendem zu brechen, um eine gerechtere Welt zu schaffen, buchstäblich Form werden zu lassen. Leider muss der Begriff Bauhaus aber auch herhalten zur Vermarktung von Autos, Möbeln und, ja, Architektur. Banale Funktionsbauten werden dann gern als „zeitlos“ oder „sachlich“ im Sinne des Bauhaus-Gedankens gepriesen, auch wenn sie sich schon auf den ersten Blick als sein Gegenteil entpuppen. Das Bauhaus propagierte die Interdisziplinarität der Gestaltung, die Qualität des Handwerks und eine Demokratisierung des Designs. Ein Entwurf ohne das geringste Zuviel oder Zuwenig setzt in der Entwicklung ein hohes Maß an Hingabe, Zeit und das Hirnschmalz aller Beteiligten voraus. Doch die ästhetische Qualität eines Objekts liegt nicht in der Reduktion allein – was heute allzu oft zum Dogma erhoben wird. Bei aller Sachlichkeit wohnt(e) dem Bauhaus das Streben nach Schönheit inne, nach skulpturaler Kraft und spielerischer Eleganz der Form. Ich wünsche mir, dass seine Sinnlichkeit, Mehrdimensionalität und die Lust am Experiment wieder neu entflammt. Auf dass wir Bauhaus nicht verstehen als Label eines Styles, sondern als Auftrag, seine interdisziplinäre Haltung fortzuführen – um zukunftsfähig zu bleiben und die Gesellschaft weiterzudenken!